DIE PFAHLBAUER

150 Jahre Entdeckung der schweizerischen Pfahlbauten (1854-2004)
Jubiläumsausstellung Landesmuseum Zürich, 27. Februar bis 27. Juni 2004


MEDIENMITTEILUNG

Februar 2004


Faszination Pfahlbauer - 150 Objekte erzählen 150 Geschichten

Im Winter 1854 wurde am Ufer des Zürichsees die erste Pfahlbausiedlung entdeckt. Das Ereignis bedeutete eine archäologische Sensation, welche auf weltweites Interesse stiess und einen Meilenstein in der Entwicklung der Archäologie darstellte. Die Entdeckung der Pfahlbauten eröffnete der Archäologie neue Dimensionen, die über die Welt der Gräber und der Toten hinausging. Die Objekte aus den Seeufersiedlungen gaben Zeugnis vom alltäglichen Leben. So rückte die Urgeschichte in die unmittelbare Nähe des modernen Betrachters. Die in Zusammenarbeit mit der Unterwasserarchäologie Zürich und der Universität Zürich erarbeitete Jubiläumsausstellung im Landesmuseum bringt die ursprüngliche Faszination der Funde durch eine expressive Inszenierung neu zur Geltung und bietet die Möglichkeit eines vertieften Einblicks in die Welt der Archäologie: Sonderführungen, Besuche im Labor und Vorführungen zur experimentellen Archäologie begleiten die Ausstellung.


Der Winter 1854 war ausserordentlich kalt und trocken. Der Zürichsee erreichte einen extrem niedrigen Wasserstand. Kinder, die in Obermeilen auf dem freigelegtem Seegrund spielten, fanden inmitten merkwürdiger Pfahlwerke Mengen seltsamer Materialien und Gerätschaften aus Knochen, Stein, Holz, Geweih und Ton. Ferdinand Keller (1800–1881), der damalige Präsident der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, erkannte ihre Bedeutung als Zeugen versunkener prähistorischer Siedlungen.


Die Schweiz im Pfahlbaufieber

Darauf kam es zu einem eigentlichen Pfahlbaufieber in der Schweiz. An Landes- und an Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts wurden die in schweizerischen Seen gemachten Funde präsentiert. Der Bundesrat liess im Jahre 1867 für die Weltausstellung in Paris vom Künstler Auguste Bachelin gar Rekonstruktionen von Pfahlbaudörfern malen. Sie geben ein idyllisches Bild vom Leben auf Schweizer Seen wieder - eine Art Metapher für unsere kleine Alpenrepublik im Herzen Europas. Alsbald faszinierte die romantische Rekonstruktion solcher Seeufersiedlungen eine breite Öffentlichkeit. «Die Pfahlbauer», die Urahnen der Schweiz! Zahlreiche Künstler bemächtigten sich der Motive und verliehen dem romantischen Pfahlbaudorf eine aussergewöhnliche Popularität. Man war der Ansicht, dass diese «Pfahlbaukultur» den «Sonderfall Schweiz» bis zu den Ursprüngen moderner Zivilisation bestätigte.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse führen zu Kontroversen

Später zeigte sich, dass Seeufer- und Moorsiedlungen keine schweizerische Eigenschaft darstellen: Es handelt sich vielmehr um ein Phänomen, das von der Jungsteinzeit (ca. 4300 v. Chr.) bis zum Ende der Bronzezeit um 800 v. Chr. rund um die Alpen (von Ostfrankreich und Süddeutschland bis nach Italien und Slowenien) verbreitet war. Darüber hinaus wurde das Bild von auf Seeplattformen errichteten Dörfern nach dem 2. Weltkrieg verworfen. Angesichts der grossen Begeisterung und den verbreitenden Vorstellungen zur Schweizer Vergangenheit führten die neuen Erkenntnisse der Forschung zu heftigen Kontroversen. 150 Jahre danach hat die Diskussion an Brisanz verloren. Es bleibt die Erkenntnis, dass die Vielfalt und der Reichtum der Funde der Pfahlbaustätten (Moor- und Seeufersiedlungen) einmalig sind und noch heute als ein Teil des kulturellen Erbes der Schweiz eine Faszination von ihnen ausgeht.


150 Objekte erzählen 150 Geschichten

Die Jubiläumsausstellung im Landesmuseum rückt die Objekte selbst in den Vordergrund und lässt die Jahrtausende alten Formen, Verzierungen und Materialien in neuem Glanz erstrahlen. 150 Originalfunde werden 150 Jahren Forschungs-, Rezeptions- und Kunstgeschichte gegenübergestellt – 150 Objekte erzählen 150 Geschichten. Die Ausstellung bildet den Auftakt zum Jubiläumsjahr. Eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen in der Schweiz und in Deutschland führen die Jubiläumsaktivitäten fort. Tauchen Sie ein in eine phantastische Vergangenheit!

Die Ausstellung wurde in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Unterwasserarchäologie der Stadt Zürich und der Abteilung für Ur- und Frühgeschichte der Universität Zürich erarbeitet. Sonderführungen, Schulprogramm, Wettbewerbe, Besuche im Labor und Vorführungen zur experimentellen Archäologie ermöglichen einen vertieften Einblick. in die Welt der Archäologie.


Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung «Die Pfahlbauer» gibt es ein zweisprachiges Begleitband (D/F):
DIE PFAHLBAUER. 150 Objekte erzählen 150 Geschichten.
Begleitband zur Ausstellung im Schweizerischen Landesmuseum.
LES LACUSTRES. 150 objets racontent 150 histoires.
Catalogue de l'exposition au Musée national suisse, Zurich
Verkaufspreis CHF 29.-

Bernhard von Arx, Die versunkenen Dörfer. Ferdinand Keller und die Erfindung der Pfahlbauer.
Zürich, Unionsverlag / Schweizerisches Landesmuseum, Zürich.
Buchvernissage 16. März 2004, 19 Uhr, Salon rouge, Landesmuseum Zürich

Weitere Publikationen zum Thema Forschungs- und Rezeptionsgeschichte sind noch während der Ausstellungszeit geplant.


Medienanfragen

Christine Marchetto, Leiterin Kommunikation Tel +41 (0)1 218 65 51,
Email christine.marchetto@slm.admin.ch

Marc-Antoine Kaeser, Projektleiter, Tel +41 (0)1 634 38 31,
Email marcantoine.kaeser@slm.admin.ch


Allgemeine Informationen

Schweizerisches Landesmuseum, Zürich
Museumstrasse 2, 8023 Zürich
Tel +41 (01) 218 65 11, Fax + 41 (01) 211 29 49, Info Tel + 41 (01) 218 65 65,

Di - So 10.00 - 17.00, Feiertage geöffnet

Eintritt (inkl. Dauerausstellung) CHF 12.-, Reduziert CHF 8.-
Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gratis

Öffentliche Führungen jeden Dienstag abwechselnd 12.30 oder 18.00
Sonderführungen für Gruppen nach Voranmeldung:
Tel +41 (01) 218 65 04 oder myriam.kunz@slm.admin.ch


 MEDIENMITTEILUNG


zurück